Viele Erkrankungen, die mir in der Praxis begegnen sind
genetisch bedingt. Entstanden u.a. auch durch Überzüchtungen. Es ist
erschreckend, welche Folgen dies haben kann.
Idiopathische Seborrhoe
Besonders betroffene Rassen: Cocker Spaniel, West Highland White-Terrier
(WHWT).
Erbmodus: vermutlich autosomal rezessiv.
Klinisches Bild: ölige Schuppenbildung Juckreiz, Otitis externa, digitale
Hyperkeratose; Neigung zu Sekundärinfektionen (Bakterien, Hefepilzen).
Häufigkeit: bei Cocker Spaniels in Deutschland vermutlich viel seltener
als in anderen Ländern.
Diagnose: Alter (1-3 Jahre), Rasse, Vorbericht, klinisches Bild,
Hautbiopsie.
Therapie: Symptomatisch, evtl. Retinoide, Vit.D-Analoge (evtl.
Kortikoide).
Prognose: Mittlerweile meist relativ gut kontrollierbar.
Epidermale Dysplasie - „Armadillo Westie Syndrome“
Besonders betroffene Rassen: WHW-Terrier.
Erbmodus: vermutlich autosomal rezessiv.
Klinisches Bild: starker Juckreiz v.a. Achseln, Bauch Gliedmaßen, auch
Kopf, Hals etc., Haarverlust, chronische Hautveränderungen wie Verdickung
der Haut bis zur Faltenbildung, Pigmentierung, teilweise erhebliche
Geruchsbildung, Neigung zu Sekundärinfektionen.
Häufigkeit: nach eigener Erfahrung häufig bis sehr häufig.
Diagnose: Alter (6-12 Monate), Rasse, Vorbericht, klinisches Bild,
Ausschluss von Differentialdiagnosen, Hautbiopsie.
Therapie: symptomatische Behandlung, v.a. gegen die Hautbesiedelung mit
Bakterien (S. intermedius) und Malassezien
Prognose: bei enger Zusammenarbeit zwischen Tierhalter und Tierarzt
(Dermatologe) in den meisten Fällen gut kontrollierbar, nicht heilbar.
Dermoidsinus
Besonders betroffene Rasse(n): Rhodesian Ridgeback, auch Shih Tzu, Boxer,
Engl. Bulldogge.
Erbmodus: vermutlich rezessiv.
Klinisches Bild: unterschiedlich tiefe Fisteln von der Haut ausgehend in
Richtung Wirbelkanal, gefüllt mit Talg und Debris, unter Haarwirbeln.
Häufigkeit: selten bis sehr selten (erfolgreiche Zuchtprogramme beim
Rhodesian Ridgeback).
Diagnose: Alter (Welpenalter), Rasse, Vorbericht, klinisches Bild (evtl.
neurologische Symptome), Fistulogramm, Biopsie.
Prognose: je nach Tiefe, in der Regel gut.
Epidermolysis bullosa dystrophica
Besonders betroffene Rasse(n): Beauceron, Kromfohrländer.
Erbmodus: vermutlich autosomal rezessiv.
Klinisches Bild: Bullae -> Ulzera, auch an mukokotanen Übergängen und an
Druckstellen (mit Ablösen der Epidermis von der Basalmembranzone) , hohe
Neigung zu bakteriellen Sekundärinfektionen, Zahnschmelzdefekte, Kümmern.
Häufigkeit: sehr selten, jedoch häufig mehrere Welpen in einem Wurf
betroffen.
Diagnose: Alter (Welpenalter), Rasse, Vorbericht, klinisches Bild, Biopsie
.
Therapie: symptomatisch, Immunsuppresiva o.ä. rel. schlecht wirksam,
Plasmapherese ?
Prognose: ungünstig
Talgdrüsenadenitis, Sebadenitis
Besonders betroffene Rasse(n): Viszla, Samojede, Akita, Pudel, diverse
andere Rassen.
Erbmodus: vermutlich autosomal rezessiv (amerikanische Studie an Pudeln)
Klinisches Bild:
a) Kurzhaar-Rassen: mottenfraßähnliche Alopezie mit feiner Schuppenbildung
und geringer bakterieller Sekundärinfektion v.a. an Kopf, Hals und Rumpf
b) Langhaar-Rassen: deutliche Verhornungsstörungen (i.d.R. Hyperkeratose),
Hypotrichose, trockene Haare
Häufigkeit: wahrscheinlich viel häufiger in Deutschland als vermutet,
zahlreiche Rassen betroffen, variable klinische Bilder lassen in der Regel
eine Diagnose ohne Biopsie nicht zu, damit hohe Zahl wahrscheinlich.
Diagnose: Alter, evtl. Rasse, Vorbericht, klinisches Bild, Trichogramm,
Biopsie.
Therapie: symptomatisch, Retinoide (Wirksamkeit je nach Rasse stark
unterschiedlich), Humilac- Propylenglycol 1 x tgl. als Spray.
Prognose: relativ gut, mehr oder weniger gut kontrollierbar, Verlauf nicht
vorhersehbar.
Farbmutanten-Alopezie
Besonders betroffene Rasse(n): Alle Rassen mit „verdünnten“ Fellfarben,
d.h. grau, silber, isabellfarben....
„Klassisch“ bei Dobermann, Dackel, DD, Greyhound, Whippet, Chow-Chow
Erbmodus: Genaueres unbekannt, gesteuert von Farbgenen am D-Locus und
evtl. anderen
Klinisches Bild: Hypotrichose, Schuppenbildung, Follikulitis v.a. im
Rückenbereich, dann weitere Ausbreitung v.a. im Rumpfbereich.
Häufigkeit: relativ häufig bei den entsprechenden Farben (bis zu 93 % beim
blauen und 75 % beim isabellfarbenen Dobermann), andere Rassen weniger,
abnehmend auch mit dem Grad der Verdünnung bei jeweiliger Farbe (z. B:
grau > blau).
Diagnose: Alter etwa ab Pubertät, Rasse, Vorbericht, Fellfarbe, klinisches
Bild, mikroskopische Untersuchung von Haaren, Biopsie.
Therapie: symptomatisch, evtl. Retinoide (Etretinate)
Prognose: unterschiedlich gut kontrollierbar
Schäferhundpyodermie
Besonders betroffene Rasse(n): Schäferhunde und Schäferhundmischlinge
Erbmodus: vermutlich autosomal rezessiv
Klinisches Bild: Furunkel, Ulzera, v.a. an Rumpf, Bauch und Oberschenkel,
besonders an Druckstellen, häufig generalisiert.
Häufigkeit: in Deutschland häufig
Diagnose: mittleres Lebensalter, Rasse, Vorbericht, klinisches Bild,
Hautbiopsie
Therapie: Antibakterielle Langzeitbehandlung, evtl. Therapie mit
Phosphodiesterasehemmer
Prognose: gut, fast regelmäßig Rezidive
Demodikose
Besonders betroffene Rasse(n): Bobtail, Collie, Afghane, DSH, Cocker,
Dobermann, Dalmatiner, DD, Engl. Bulldogge, WHW und Boston Terrier,
Dackel, Chihuahua, Boxer, Mops, Shar Pei , Beagle, Engl. Pointer.
Pododemikose bei: Neufundländer, Bobtail und Bernhardiner
Familiäre Häufung
Erbmodus: unbekannt, erworbene Erkrankungen und erbliche Erkrankungen
bestehen nebeneinander.
Klinisches Bild: lokalisierte und generalisierte Formen, Haarausfall,
schuppig-trockene und eitrige Formen (Sekundärinfektionen)
Häufigkeit: relativ häufig.
Diagnose: Alter, bis 18 Monate spontane Form, Rasse, Vorbericht,
klinisches Bild, tiefes (!!) Hautgeschabsel, Hautbiopsie.
Therapie: Antiparasitäre Behandlung, Korrektur der
Primärerkrankung/-Faktoren, falls möglich.
Prognose: sehr gut bei der lokalisierten Form, unterschiedlich bei den
anderen Formen – heute jedoch so gut wie nicht mehr ‚unheilbar‘ (=
unkontrollierbar). Korrekte Zuordnung der Demodikoseform ist unerlässlich
für die Prognose und die Entscheidung, ob Nachzucht oder nicht!
Systemische Histiozytose
Besonders betroffene Rasse(n): v.a. Berner Sennenhund, auch Golden
Retriever, Labrador, Rottweiler, Pudel, Boxer
Erbmodus: unbekannt
Klinisches Bild: Schuppen, Knötchen, Krusten und Geschwüre,
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Atemgeräusche, andere Symptome
entsprechend den beteiligten Organen (sehr unterschiedlich)
Häufigkeit: sporadisch (wahrscheinlich häufig nicht diagnostiziert)
Diagnose: Alter (i.d.R. 4-7 Jahre bzw. 2-8 Jahre), Rasse, Geschlecht,
Vorbericht, klinisches Bild, Biopsie
Therapie: Symptomatisch, Immunmodulation mit Cyclosporin A, evtl. zusammen
mit Prednison
Prognose: vorsichtig bis ungünstig
Acrodermatitis enteropathica (Zinktransportstörung)
Besonders betroffene Rasse: Bullterrier
Erbmodus: unbekannt
Klinisches Bild: ‚kümmern‘, Gewichtsverlust, Durchfall, bakterielle
Infektionen (Haut, Lunge, Schleimhäute, Darm,....) Pigmentverlust,
Hyperkeratose des Ballenhorns, Krusten und Geschwüre, Appetitlosigkeit,
Aggressivität
Häufigkeit: selten, einige Jahre lang häufiger... ?
Diagnose: Alter (einige Wochen bis zu 6 Monaten), Rasse, Vorbericht,
klinisches Bild
Therapie: Keine (vorübergehend antibakterielle Behandlung, Versuch der
Zinksubstitution)
Prognose: früher Tod
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